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JEDEN BECHER BIS ZUR NEIGE LEEREN

Im Schrittempo fährt ein Wagen der Stadtreinigung an den gegenüber parkenden Automobilen entlang. Dann findet sich eine Lücke, der orange Wagen schwebt leise, fast geräuschlos ein und der Motor schweigt. Die Männer der Besatzung auf zwei Reihen, warten und schweigen gleichsam. Sie sehen die Menschen von einer Bande auf die andere geschleudert, nicht herauskönnen aus dem Platz, und packen ihre Vesperbrote aus. Sie schweigen weiter, vielleicht hat ihr Verein verloren.

Da, schon wieder vier!

Mindestens achtzig und dann kommt bei denen noch die besondere Länge hinzu, sagen sie schliesslich. Für jeden Kopf werden zwanzig, für einen Schwanz je nach Länge, vierzig bis achtzig bezahlt.

Deshalb hat die Mausefalle breite Eingänge, an jeder Seite ungefähr ein Dutzend. Die Rolläden sind vernagelt oder heruntergelassen, die Scheiben poliert oder frisch eingeschmissen. Hinter den Bauzäunen wird schon wieder ein neues Haus geschaufelt. Auf viele Kilometer im Umkreis gibt es kein Stück Holz. Nur die Losbuden sind noch geschlossen. Die Räucherei gegenüber der Sammelstelle gibt den Indianern das vereinbarte Zeichen, sobald sie etwas entdecken.

Diese haben sich hinter der Mauer verborgen und spähen mit volkseigenen Operngläsern herüber.

Trotzdem schneiden die Häuser siedend heisse Konturen in den Himmel, an deren Ränder die Wolken aufsteigen. Riesige Schaufelräder saugen die Strassen nach geeigneten Kandidaten ab und fast jeder ist geeignet, denn in der Tiefe lauern die Aufzüge rastlos, mit grossem Appetit.

An anderer Stelle schmettern Presslufthämmer bereits das Lied von der Erde, eine ganze Strasse singt: wohnst du hier?

Die roten Männchen bleiben stehen und warten.

Die grünen Männchen grinsen und gehen über die Strasse. Auf der anderen Seite spielen sie mit den schreienden Taxifahrern Fang-den-Hut. Sie grinsen andauernd und mittels der reinen Kraft der Fantasie vermögen sie es ganz leiccht zu schaffen: aaus jeder Tüte eine Titte und blubs! wenn du etwas Glück hast auch mal mit dem Finger in ein Fettnäpfchen und alles für weniger als hundert Mark.

Allein die Omas, die mit Wachtürmen an den Ecken des Platzes und vor den Eingängen postiert sind, schenken dem keine Aufmerksamkeit. Sie wissen: Millionen Jetzt Lebender Werden Niemals Sterben.

Fähnchenschwingende mit prallen Schenkeln in knappsitzenden Uniformen warten hinter den Türen. Die Fähnchen wedeln hin und her.

Die Angestellte spannen unter Aufbietung ihrer Körperkräfte die Gummimotoren der Registrierkassen und die Polizisten warten mit dicken Blöcken und frisch gespitzten Bleistiften, starren auf die Drehkreuze oder begleiten besonders Schöne mit entsicherten Gewehren.

Die Wände unterbrochen von den Luftaufnahmen und Parolen, die dafür sorgen, dass dein kleiner Bruder und deine kleine Schwester nicht schlafen können; die langen braunen Frauen auf den Luftaufnahmen, die erfreulich langen Genuss versprechen; die Männer, die untersuchen ob es etwas zu bedeuten hat.

Wer das Spiel nicht kennt, hat, besonders wenn er Auswärtiger ist, nicht selten abwegige, auswärtige Gedanken. Die wollen wir hier nicht haben.

Dir stellt sich das Bild einer Versammlung ein, die sich zum Leichenschmaus zusammentraut. Doch da, wo du herkommst sagt man auch, dass eine gute Leich die beste Gelegenheit zur Brautschau biete.

Angekokelte Augkugeln blinzeln wie Hagelkörner durch gesprungene Scheiben, Nieselregen netzt in feinen Schlangenlinien - erregt folgt das Männchen den Windungen des Weibchens - die Tränen, die ewiger Schnee sofort zu Eis gerinnen lässt.

Wie geschältes Treibholz tropfen alle diese wahnsinnigen angestauten Blicke in den unterirdischen Strom aus Wut und Ohnmacht und kurzen Gefühlen, der mit jeder Verbittterung mehr an den Fundamenten nagt und eines Tages alles wegschwemmt.

Dann bleibst du stehen, zerreisst deine Kleider, schreist: Erwache! oder: Fick dich! Aber dann kommen die Soldaten mit ihren Bulldozern und kehren alles zusammen.