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NARREN DES ZUFALLS

Wo vorhin sich eine nachtdurchschwärzte Au im ersten Dämmerstrahl erbrach und ihre mondsteinfarbenen Gespänge wie übermüpfige Tautropfen im tänzelnden Spiel bespiegelt waren, verblasen sich taube, unbeschwingte Schritte unter die Dächer und in Windeseile.

Eine Elfe schreitet unbemerkt mittendurch. Dort wo ihre Füsse hinfallen wirft sie kleine Mooshügelchen auf. Eine Oboe schwebt in dieses Morgengrauen hinein, doch im äussersten Umfang der Drehung rasend und betörend. Leicht zu merken: nur drei Töne. Kleine Plastikraumschiffe halte ich dazu über den Platz. Na gefällt dir das?

Tatsächlich ist es, auch wenn das ungeübte Auge die Anstrengung den durchtrainierten Körpern nicht anzuschauen vermag, sehr, sehr schnell. So schnell, dass man denen, die an die Wand gepresst werden nicht ansieht, welchen Druck sie aushalten müssen.

Die Zwerglein kommen, werfen ihre von Arbeit und Kummer müden und kurzen Beine in die Reihen der Streicher, Schmierer, Absauger. Das, obwohl jede Vermummung verboten ist, und fröhlich, egal ob es passt.

Hirtenflötlein schmeicheln den Honigbienchen unter die pulsierenden Blütenkelche, die Flieger klappern mit ihren Höhenrudern.

Da durchbricht der Himmelswagen unter Stössen, die den Bahnhof erzittern lassen und Wellen, die sich im Stein fortpflanzen zu Marmormustern, die Sterne, das Flutlicht und die Sonne: eine leichte Bö vom Ende der Landebahn, umzäunt von einer kleinen Mauer, an der die Skalps der Startbahngegner aufgehängt sind.

Es sind alte, schöne, kranke Gesichter über Aus-senlautsprecher, hektografierte Flugblätter, hinter den Ultrakurzwellensendern, tiefe Seufzer in lektronischen Einspritzpumpen, die roten Listen der Fabriken und Konzerne, Krankenhäuser und Sanatorien, die blauen Listen der Museen, Strom-, Gaswerke, Wassermühlen, die grünen Listen der Verwahranstalten, Samenbanken, Strahlenkommissionen, die Mitgliedsverzeichnisse der Parteien, die Berichte der zuständigen Organe, Informationen aus dem Umland, der V-Gegend, die geheimen Telefonnummern der Nato und Warschauer Paktstaaten, der Code für die geheimen Vermisstenlisten der geplanten Massenvernichtungsstätten.

Der Theaterdirektor erhebt sich!

Die Musiker packen ihre Instrumente aus. Man weiss, sie sind jederzeit in hervorragender Verfassung, sind gefühlsmässig und melodisch besonders motiviert, pflegen sie doch die älteste Sprache der Galaxis.

Fast ist es gerade erst einen Moment aus der Tür hinaus. Die mitgebrachte Kapelle, flugs aus der linken Hand gezaubert, beeilt sich in dieses Vacuum einzufallen. Als Geschäftsmann kannst du dir aber kein Vacuum leisten. Auch als sonst überhaupt niemand nicht. Deshalb:

Halte durch!

Halte klaren Kopf!

Die ersten vier noch unsicher, zaghaft leise. Doch die Finger entkrampfen wunderbar durch Wärme, hüpfen über die Saiten, dass es in jeder Lage eine Freude ist: ich bin nur das Instrument, auf dem DU spielst.

Solch wundersame Töne und Kläne sind ganz neue, unbekannte Schritte für mich.

Wie ist es möglich, dass sie einen oder zwei immer voraus sind?

Auf einmal nichtsahnend ins Freie, ins Alles-ist-befreit!

Noch eine Pause.

Sie verharren über der angegebenen Stelle wie der Bogen in die Wolken gesetzt als Zeichen des Bundes zwischen DIR und allem Fleisch der Erde verharrt, ehe sie zu einem rasanten Sturzflug und ihre brisante Fracht in einem nachfolgenden Crescendo, nein, plötzlich leise, zwei weiche Akkorde, die sich gebrochen auflösen, das Schaben der Nägel auf dem Holz des Klangkörpers, das Trommeln einer unerlösten Seele gegen die Mauern eines ewigen Gefängnisses.

Gleich nach wenigen Schritten ist alles klar, gerät in süsse Verzückung und rollt rückwärts bei jedem Anklang an Sinn.

Nimm!

Über die Oberfläche des herrrlich gewachsenen Holzes ziehen sich die Määnder eines unbekannten Musters von einzigartiger Faszination. Der Wurf ins Feuer entlockt dem Instrument den Ton, den allerletzten Ton:

Marsmusik.