GLÜCK DER ANPASSUNG

Nicht weit von dem Fensterrahmen hängt das weiss-rot gekringelte Ofenrohr an der schwarzen Wand entlang und daneben auf dem Kopf unter dem Fensterbrett ein Eimer mit Wäsche in Falten durch die Dielen versickernd. Der Fussboden dazwischen mit Kisten und Säcken, elektrischem und Mülltüten voll. Spaghettidärme krabbeln durch geplatzte Beulen.

Schief und schäps der Raum.

Nur nicht das Gleichgewicht verlieren und Überraschungen flüchten, die zusammenklappen, Flaschen, die umgestossen und Aschenbecher, die herumrollen werden.

Aus den Händen fällt der Kopf in Oben und Unten, wird zu einem Trockendock für ein dringend reperaturbedürftiges Schiff, fasst einen Strohhalm, der dich nicht vor dem Ertrinken bewahren wird. Du hast es allerdinngs schon geahnt und suchst schon nach neuen Ausflüchten, einem Nadelöhr wie z.B.: Es gibt keinen Grund.

Das automatische Licht schaltet sich ein und flackert hinter einem roten Auge. Zudem flötet durch die Oben erwähnte Lücke das Licht so um das Gemäuer: weil ein ganzer Flügel abgebrochen worden ist. Es leuchtet mit über fünfhundert Zeilen pro Sekunde.

Nie imLeben erwartet, soetwas. Dachte, das könnte nur deiner Fantasie entsprungen sein. Dieses Zittern am Rande einer unerschöpflich unerfüllbaren Sehnsucht, wie du es dir nicht vorstellen magst, nicht einmal deinem ärgsten Feind.

Umwolkt in kupferner Umarmung wird mir dieser Moment von Einsamkeit zuteil, nur ein kleiner, und der währt schon eine Ewigkeit. Die Handflächen pelzig an dem aussichtslosen Email, denn die Öfen sind schlecht beheizt.

Bleib stehen.

Ist das ein Fernsehprogramm oder sind es Kinder?

Hör noch mal genau hin. Ist gar kein Licht, nur amerikanische Nacht.

Horchst gegen den Wind, der das Treppenhaus durch eine faustgrosse Scherbe im Himmelfenster des zweiten Stockes erklettert bis hoch zu dir.

Die Hämmer sinken nieder, man zieht die Knoten fester um das Papphaus. Die Pflaster werden zugenagelt, die Schuhabstreifer umgepflügt. Gotlob, alle Türen sind abgeschlossen.

Das Holz, das du nach einigen sorgsamen Schritten ins fahleHalbdunkel leise und erleichtert berührst, gleitet längs unter deine Haut, macht die Hände rund, führt sie brüderlich an der im Lack verborgenen Maserung des handgearbeiteten Geländers Stufe um Stufe - in die Tiefe.

Mehr noch, es arbeitet ständig weiter und kommt nie zur Ruhe. Jede Hälfte macht es kehrt. Während du denkst, in Wirklichkeit geht es nach draussen, also Oben, bringt eines zwei für drei auseinander und weiter hinunter.

Ausserhalb der grossen Sensationen geht unter diesem Fenster ein Mann daher, der murmelt vor sich hin: Freitag, der sechzehnte, Samstag, der siebzehnte, Sonntag, der... bis du ihn nicht mehr hörst. Oder war es nur eine verstellte Frauenstimme?

So pflanzen die kleinen, nicht weniger fruchtigen Früchte des Tages aus dem Zugehn, Weghörn und Nichttun den Kopf mit Lächeln voll, kandieren mit Zuckerwatte die Pickel aus Unsicherheit, darunter wundervolle Orchideen.

Du reisst sie ab, nimmst sie in die Hand, prüfst mit deinem über alles wachenden Auge die Beschaffenheit unserer Oberfläche. Nach dieser korrekten Prüfung kullern wir rote Planeten in die grüne Tüte, fest verankert in deiner Hand.

Irgendjemand zieht die Vorhänge zurück und entdeckt, dass die grosse Schau des phallischen in der Welt einen wichtigen Zuschauer verloren hat. Die kreisende Maschine ist stehengeblieben.

Man findet dich mit einem Zettel im Mund:

Bitte benachrichtigen sie im Falle meines Ablebens innerhalb vierundzwanzig Stunden folgende Telefonnummer, damit meine Reaktivierung rechtzeitig vorgenommen werden kann.

Von ferne verhallt feierliches Geklöcke. Das heisst noch dreissig Sekunden ausharren: siebenundzwanzig, achtundzwanzig, gleich, gleich, da klingen die Glöckchen wieder. Ein kurzer Moment des Schweigens, dann: Na, hat dir das auch Spass gemacht?

Auch Nägel, die aus den Wänden fallen könnten und Kühlschränke, die sich im allernächsten Moment zu einer neuen elektrischen Trance zusammenfallen lassen möchten, verharren, denn unsichtbare Schritte senden ihre Erdbeben voraus bis in die stillsten Winkel.

Sie nehmen jede beliebige Gestalt an um in die Lochkarten deiner Empfindungen zu gelangen. Dafür senden sie ihre Nebelmelodien durch das ganze Haus wie von weit her oder nahe, aber hinter dicken Mauern.

Erst wenn auch das allerkleinste Kratzen verschwindet, bleibt die Zeit stehen, wie sie jeden Tag stehenbleibt, wenn sich niemand im Haus bewegt. Dann nehme ich den Wind in meine Arme und die Kühlschränke erlösen sich in einem Orgasmus.