FREUDENTAUMEL EINES GELUNGENEN TRAUMES

Von einem dieser Hocker, die man entweder klaut oder auf Pump kauft, ist der menschliche Teil deines Geschöpfes so auf die Tischplatte in der Mitte dieses Raumes montiert, dass du nicht zusammenfällst, aber es braucht nur eine einzige Dose herausgezogen werden und ich weiss auch genau welche.

Deine Hand, die aus einem unbekannten Reflex in die Höhe gefahren war, verschwindet im hinteren, unteren Theaterraum. Einen winzigen Augenblick dringt durch den schmalen Schlitz des Vorhangs gerade soviel Nebel um zu sehen, dass es nicht zu spät ist.

Das Ruder gleitet aus der Hand.

Du weisst nicht wer du bist, wo du dich befindest, wo Oben und Unten sich befinden, was Oben und Unten zu bedeuten haben und du weisst nicht einmal, ob du den Weg zurück ans rettende Ufer noch schaffen wirst. Du bist ein Ertrinkender, dem der Himmel und die Aussicht schwindet.

Fiebrige Fetzen in der Grösse von Blutstropfen fliegen an dich heran und dein Atem entweicht dir unter Schmerzen aus allen Poren. Was von diesem Pelz infiziert ist wird zu einem Wald dünner Nadeln, jede Bewegung darin zerbricht ein Gebirge aus gläsernem Moos, macht aus allen Härchen spitze Stacheln, die zu Insektenbeinen wachsen und wild unter der Haut hin und her rudern.

Die blauen Adern sind in den Händen geborgen, schmiegen sich umwoben von saftigen Büscheln von Traumkräutern durch die Stirn, unterirdisch in diesem Geflecht aus dunkler Wahrheit, federnd unter den Schritten meiner Samtfinger.

Doch das ist ganz bestimmt ein unangenehmer Traum an dieser Stelle, dass du schläfst, aber nicht schlafen kannst, solange der Druck anhält.

Tief drinnen in deiner Vorstellung kommt dir wohl der Verdacht wie ein fremder Medizinmann in einem Kanu angepaddelt, dass du auf dem falschen Meere segelst. Aber du weisst doch nichts und ihr treibt auseinander ohne dass ihr euch erkannt hättet.

So spülen dich die Gezeiten auf die glänzenden Spuren eines als Kind gewandelten Pfades:

Der Bahnhofsvorplatz liegt auf einem weit entfernten Planeten in einem Sonnensystem, dass nie von Menschen erreicht werden kann, und bedeckt die eine Hälfte eines von einer Doppelsonne beschienenen Mondes.

Obwohl es Nacht ist rascheln die Büsche und Bäume rings um den quadratisch angelegten Platz in vertrautem Dreiklang, verständnisvollen Harmonieteppichen und solidarischen Rhythmuswechseln.

Etwas bekanntes kommt näher, aufregend bauchkitzelnd das Pflaster. Vom Bahnhof weht das Hallo der Maschinen herüber: Was, wenn sie losgelassen, für ein Staunen erst verbreiten!

Du stellst dein Fahrrad an den kleinen Ziegelbau in der Mitte des Platzes. Es ist menschenleer diesmal, durch die immeroffene Tür weht ein Blatt herein. Eine kleine Stufe, dann stehst du gegen die Wand. Der Verschluss öffnet sich, ein Gefühl der Dankbarkeit klettert die Knie hoch und das Wasser gelangt von selbst in die Freiheit.

So geht das Anpissen vor sich.

Der Film ist zuende. Sofort kühlt das Feuchte ab und abwärts. Die Pyramide erschrickt. Warst du eben noch die lächelnde Sphinx, so bist du jetzt höchstens ein durstiges Abbild davon auf einer Dose, die fällt. Du begreifst das erst im Fallen und wenn es Tag ist.