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FREUDE AM UNTERWEGS

Jede feindliche Stellung musst du umgehen und du musst dich beeilen. Leg dich oberhalb der bewohnten Behausungen in Deckung. Regt sich etwas, schiesse sofort darauf. Oft musst du allerdings den ganzen Tag warten bis ein Gefecht beginnt. Leg grüne Plastikteile hinter dich. Wer nicht weiss, was es ist, tritt darauf und es gibt eine fürchterliche Explosion.

Ein ungeheurer Staubnebel vor dem erschrockene Kinder, die bis an die von der Polizei behelfsmässig aufgestellten Absperrungen vorgedrungen sind, erschreckt und über ihre eigene Erschrockenheit belustigt, davonlaufen.

Auf dem Rückweg sehe ich die Einschläge der Granaten fast zehn Kilometer hinter meiner Position. Ich schwinge mich auf's Fahrrad und nutze den Vorstoss, den freien Weg, den sich Kinder aus dem Tor heraus mit Holzlatten freigeschossen haben. ich fahre wie der Blitz an dir vorbei. Eine so scharfe Hausecke gleich nach wenigen Metern, dass man nichts mehr sieht. Auf einmal mit Karacho um die Ecke. Vor der Kurve Gas weg, in der Kurve beschleunigen. Diese Stadtkurse verlangen äusserste Konzentration, permanente Anspannung, härteste Anforderungen an die Motoren. An der Strecke kleine Birkchen in Weissblechdosen ohne Etikett. Tonnenweise frisch gemähtes Gras auf den Strassen schluckt jeden Laut.

In einer Lehmhütte am Rande des Weges hat eine unabhängige Jury ein kleines Lazarett eingerichtet. Dort werden einzelne Kämpfer zu Sanitätern ausgebildet. Nach dem Gefecht versorgen sie die Kranken. Sie ziehen ihnen die Hosen stramm und hängen an die breiten Hosenträger Gasgranaten oder kleine Splitterbömbchen.

Auf dem Vormarsch treffen wir nach einigen Kurven und Ausweichplätzen andere Kuriere und Kundschafter. Ausser Atem brechen sie durch das Unterholz, hängen an einem Fallschirm, fallen wie reife Pflaumen oder vertrocknete Bisquits aus durchgerittenen Sätteln. Ihre weit über die Leistungsfähigkeit hinaus gepeitschten Tiere wie Kartoffelsäcke in den Stallungen niederbrechen, noch an diesem Tag, dieser Stunde verenden, der mit todessehnsüchtigen Bildern seine Reiter verfolgt, denen mannhaften, wahrhaft makellosen Widerstand zu leisten sie nicht nur aufgrund ihrer Stellung und ihres Ansehens sie bis zur Selbstaufgabe sich verpflichtet fühlen, sondern deren Bestehung und Überwindung sie als heiligste Pflicht und für die gesamten Truppen zum leuchtenden Vorbild sie sich aus vollem Herzen bekennen.

Ein zusätzlich geplanter Vorstoss einer Bodentruppe findet deshalb nun nicht mehr statt, denn der Himmel wird seine Augen diesem Opfer nicht länger verschliessen. Er sendet Tausend Container Noch-Mehr-Frische, entlädt Deo-Gewitter aus Makkaronimaschinen, regnet Tiefkühlmanna und Bratpfannen hierfür, die in der Hitze des unendlichen Raumes geschmiedet wurden, auch wennn es meist nur für eine fette Sosse reicht. In Ausnahmefällen gibt es dazu Hühnchen oder Hammelfleisch. Ein bis zwei Sack reichen für das übliche Fladenbrot. Vage Auskunft, wann der nächste Angriff auf eine feindliche Stellung geplant sei. Verabschiede mich deshalb von der glücklosen Truppe. Habe am Rande des Weges eine vielversprechende Fährte aufgenommen.

Wenn wir über den Berg sind, sind wir im Oberland. Die Kinder werden auf die Rücksitze verteilt und du schaust aus dem Fenster, damit dir nicht schlecht wird. Das Auto hat sogar Licht und wenn du es auseinanderschraubst und wieder zusammenbaust, bleiben sogar zwei Schrauben übrig. Ob es diesen Buckel schafft? Der Motor: iiiiiiihhh. Die Männer sagen: Folgen sie diesem Wagen.

Dir ist längst alles durchsichtig. Unauffällig folgst du dem anderen Automobil. Die Fahrt geht durch die Vororte, an den Kohlenhalden vorbei. Der andere Wagen hat die Verfolgung bemerkt, beschleunigt. Dabei müssen sie entdeckt werden, denn es können in jeden Bus nur soundsoviele Personen. Der Fahrer weigert sich dann weiterzufahren, wenn jemand überzählig ist. Schade, dass du dieses Überzahlspiel nicht ausnutzen kannst. Wassergräben, die ersten nur ein paar handbreit, die nächsten schon hüfthoch im Schlamm. Die Strasse kriecht um einen Berg herum, dann taucht sie wieder auf - der andere Wagen ist weg.

Du kannst anhalten.

Das Auto bleibt vor dem Knick in der Strasse, an einer Satzanfangstelle, stehen. Hier müssen Landschaft und Menschenwerk in einem Gespräch unterbrochen worden sein, so still ist es hier und nirgends ein Abfalleimer. Der silbergraue Bug quietscht in den Sand. Du öffnest die Tür, aber niemand ist dahinter.

Die Türen senken sich. Die stehenbleiben müssen, müssen auch weiterhin stehenbleiben, können aber für die Dauer des Aufenthaltes die Hände von den Stangen nehmen.

Als ich mir das kaufe, wendet sich der Verkäufer zu mir herum, sagt der Gärtner in seiner Seele: Hin und Her Laufen damit, dass es schön reibt, und grinst. Ich grinse, weil ICH meine Hand in diese Hose stecken werde.

Du läufst die paar Schritte bis zum Knick gemächlich, zündest eine Zigarette an. Dann schaust du hinunter, wirfst einen Kieselglücksstein hinterher um ganz sicher zu sein. Du blickst zurück und sagst etwas, was ich nicht verstehen kann.

Na, na, du kannst ja immer noch nicht richtig Deutsch. Ja, wann lernst du das mal?

Wir fahren zurück in die Stadt.

Ich setze euch am Hauptbahnhof ab.