das ROHE

DAS ROHE UND DAS GEKOCHTE
oder 2 Tonnen Obst und Gemüse mitsamt Besteck und Tellern
vernissage: 24.6.  2016  / sextidi, 6. Messidor CCXXIV

ausstellung

„Zum Eingang unserer Seelen im ersten Stock steigen wir über Berge von Werbezetteln, Hochglanzbroschüren und Produktkatalogen, kaum dass wir der gierigen Straße mit ihren Lichtreklamen und Neongrotesken entkommen sind. Aber hinter der Tür werden wir erst recht in einer See von Bildern ertränkt, die jede Hoffnung, jeden Fortschritt als Illusion erscheinen lässt, die von Licht- und Druckmaschinen statt von Erleuchtungen an die Leinwände kleiner Leben, großer Wünsche projiziert werden. Eine andere als die eingeschlagene Sicht ist möglich, wenn wir den Blickwinkel nur ein wenig verändern: im Ganzen die vielen Teile sehen, jedes einzelne; in jedem einzelnen das Ganze ahnen... dann sehen wir Formen und Muster, erkennen Strukturen und Verbindungen, und aus dem einzelnen gebrochenen Bild, dem wir ausgeliefert und machtlos erscheinen, entsteht ein erweitertes Bild von der Welt, in der jeder einzelne Teil wertvoll und bedeutend ist und jeder kleinste Beitrag gleichermaßen wichtig.“
BAZAZZA proudly presents eine FOE – feine optische erzeugnisse- Produktion mit der Nikodemuskirche für das 48 Stunden Neukölln Kunstfestival 2016 zum Thema SATT.(Klaus Dobler)

Der linke und der rechte Flügel geben die Richtung ins Zentrum indem sie  jedoch vorwiegend aus Abbildungen entnommen sind, die rohes Gemüse, Obst, Kräuter enthalten (oder getrocknete Nudeln), bilden sie sozusehen die Vorspeisen: Salate, Antipasti und Tapas für den Hauptgang in Art einer Altarretabel („retro tabula altaris“) die 42,3 qm2 grosse Arbeit - DIE TAFEL/ SHEKINAH -, die in ihrem Kern aus Papierschnipseln besteht die gekochtes, servierfertiges Essen also in Tellern mit Besteck als Teil einer Werbeabbildung zb in einem gedruckten Prospekt enthielten.

Begleitet von GÖTTLICHE KOMÖDIE  (eine menschliche Fantasie) und TRINITY (im Introibo) und ergänzt um andere Formate die verschiedene Aspekte des Mahles beleuchten, die in dem über hundertjährigen Kirchenraum nicht nur traditionell zu Inhalt und Form  gehören sondern ebenso die grundlegensten Bedürfnisse abbilden und gelebt werden wollen.

 

An der gedeckten Tafel an der für jeden ein Platz bereitet ist teilzunehmen an der Menscherfahrung, erstmal mit einer wunderbaren Mahlzeit. Gespräche beim Essen werden sich ergeben.

Diese Tabula Rasa ist ein im Grunde harmloser Ikonoklasmus aus Kaufanreizen, sozialer Kontrolle und belastbarer Authentifizierung nachgebildet mit  analogen Materialien und Arbeitsweisen, keine Kopien, Abbildung der Abbildung allein um zu sehen warum die Welt so aussieht wie wir sie aussehen. Kein vorläufiges Ergebnis.

Der Titel ergibt sich aus der Art von Lebensmittelabbildungen, der Untertitel auf das geschätzte Gesamtgewicht der dargestellten Lebensmittel.